Florian Driessen

Von uns für Euch

"Jetzt bequem sein funktioniert nicht"

Er begleitet die ING-DiBa auf dem Weg in die Zukunft. Digitalexperte Christoph Bornschein macht im Interview deutlich, was die Herausforderungen der digitalen Transformation sind – für Unternehmen und für jeden Einzelnen.

Was macht dich zum Digitalexperten?

 

So zwischen Selbstreflektion und Sales Pitch fällt mir die Antwort gar nicht so leicht. Ich kenne mich einfach in digitalen Geschäftsmodellen und der wirtschaftlichen Wertschöpfung im digitalen Zeitalter aus. Ich befasse mich mit dem Thema schließlich seit mehr als zehn Jahren und habe hierzu praktische Arbeit in allen möglichen Industrien geleistet – Automobil, Banken, Versicherungen, Luftfahrt und vielen anderen. Erfahrung eben; Erfahrung macht mich zum Digitalexperten.

 

Was kann man sich genau unter deinem Beruf vorstellen?


Ich setze mich mit den jeweiligen Interessenten – Vorstände, Eigentümer, Personalberaterinnen – hin und betreibe mit ihnen gemeinsam Analytik und Forensik hinsichtlich ihrer Geschäftsmodelle. Da stellen sich Fragen wie: Was muss sich am Geschäftsmodell ändern, wie müssen sich Organisationen verändern, wie kriegt man eine Veränderungsdynamik hin, was für eine Rolle spielt Technologie, kennen sich Unternehmen genug in Technologie aus, welches Wissen fehlt, welche Kandidaten brauchen sie? Fragen wie diese diskutiere ich tagein, tagaus und gerne.

„Alles wird kleiner, alles wird schneller, alles wird Software.“

Christoph Bornschein

Was sind die Megatrends auf dem digitalen Markt?

 

Alles wird kleiner, alles wird schneller, alles wird Software. Damit entstehen digitale Prozesse, digitale Geschäftsmodelle, voll digital integrierte Produkte für Konsumenten, digitales Markenerleben. All diese Trends sind allgemeingültig und lassen sich nicht aufhalten. Wer sich dem entziehen will, dem bleibt nur eine verschwindende Nische.


Was sind die größten Herausforderungen der digitalen Transformation – für Unternehmen und für jeden Einzelnen?


Die größte Herausforderung auf der großen wie der kleinen Ebene: Bildung – es braucht Wissen, Bewertungskompetenz und die richtigen fachlichen Fertigkeiten. Wenn alles Software wird, muss man sich mit Software auskennen. Die IT muss raus aus dem Keller. Für jeden Einzelnen heißt das, dass Menschen ihre Jobs anders machen werden, dass sie Wandel akzeptieren müssen. Jeder muss in seine Weiterbildung investieren, und mit neuen – digitalen – Angeboten kann sich auch jeder neue Ausbildungspfade erschließen, zum extremen Spezialisten oder zum Allroundtalent werden. Gesamtgesellschaftlich stellt sich dabei für alle die Frage, ob wir Anwender oder Produzenten sein wollen, hinten oder vorn.

Nachgefragt: Christoph bei der Führungskräftekonferenz 2017

Was rätst du der ING-DiBa für die Zukunft?


Die ING-DiBa ist in einer Situation, in der sie sich bewiesen hat. Der Markt weiß, dass ihr Modell attraktiv ist. Jetzt gilt es, sich wieder stärker zu verändern und weiterzuentwickeln, weil die anderen nachziehen. Auch andere Banken haben gute Apps, gute und bessere digitale Angebote. Was euch in die heutige gute Position gebracht hat, wird euch nicht automatisch in die nächste bringen. Entwickelt euch, werdet tätig, verändert den Markt. Jetzt bequem sein funktioniert nicht.

 

Wer sind aus deiner Sicht unsere Mitbewerber?


Alle. Das ist ja Segen und Fluch des frühen Erfolges: Ihr habt allen bewiesen, dass euer Geschäftsmodell funktioniert. Nun entwickelt sich der komplette Markt in eure Richtung. Die Benchmark ING-DiBa ist akzeptiert, euer Modell wird von anderen übernommen und weiterentwickelt. Retailbanken, Sparkassen, N26, Mobile Banking. Die PSD2-Regel der EU, die neue Schnittstellen für Konten verfügt und damit neue Interfaces zwischen Bank und Kunden ermöglicht, wird den Konkurrentenkreis dramatisch vergrößern. Erfolg kann dann nur heißen, nicht da stehen zu bleiben, wo sich alle anderen hinbewegen.

 

„Entwickelt euch, werdet tätig, verändert den Markt. “

Christoph Bornschein, Digitalexperte

Hast du schon einmal Digital Detox gemacht und kommt das für dich überhaupt infrage?


Nein und Nein. Braucht man Digital Detox? Braucht man eine Sauerkrautdiät? Ich will für einen fragwürdigen Nutzen nicht auf etwas verzichten, was mir nicht schadet und mir wichtig ist. Selbst meine Auszeiten von Arbeit und Alltag sind mit Kindle, Netflix und Spotify ja digital geprägt. Ansonsten lege ich das Telefon halt auch mal weg, wenn nichts reinkommt.

 

Was möchtest du Offline-Menschen mit auf den Weg geben?


Es gibt Offline-Menschen? Das ist so ein bisschen was wie ein medienphilosophischer Piltdown-Mensch, oder? Gewohnheiten, Eigenschaften und Motivationen verschiedenster Typen und Leute zu einem ausgedachten Typus vereint. Wenn es euch wirklich gibt: Schaut mal rein in dieses Internet. Netflix hat ein sehr gutes Programm. Meine aktuelle Empfehlung ist „Suburra“. Viel Vergnügen!

Maike Baasner

Christoph Bornschein (*1983) ...

... ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Agentur für Digital Business „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr“. 2008 gründete er die Agentur mit zwei Geschäftspartnern, heute ist TLGG über 150 Mitarbeiter stark und zweifacher Träger des Titels „Agentur des Jahres“ des Deutschen Preises für Online­kommunikation. Seine Meinung und Expertise sind häufig gefragt – wie hier auf der me convention in Frankfurt im September.

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