Du Abenteurerin

Karo entdeckt neue Welten

In der Immobilienfinanzierung ist der One Agile Way of Working für alle Delivery-Mitarbeiter zur Realität geworden. Karolina ist eine von ihnen. Gemeinsam mit ihrem Squad geht die Product Ownerin neue Wege. Wir begleiten ihren Alltag. Eine Momentaufnahme in zwei Akten.

Bunt schimmert es hinter Karolina: An einem Board kleben Post-its aller Couleur. Aufgaben, offene Fragen, Hinweise – das alles muss in den kommenden Tagen erledigt werden. „Klar, das ist schon eine Herausforderung“, sagt Karolina, die von ihrem Squad nur Karo genannt wird. Die 32-Jährige ist Product Ownerin in der Immobilienfinanzierung. Was früher ein Teil der Baufinanzierung war, ist heute die Homebase. „So heißen wir seit einigen Tagen“, erläutert Karo. Gemeinsam mit ihren acht Kollegen – sechs Frauen, zwei Männer – geht sie die ersten Schritte in der agilen Welt.

 

Gerade reflektiert sie im Daily die gelösten Aufgaben des vergangenen Tages und die Arbeit für den kommenden. Tätigkeiten werden verteilt, Hilfestellungen geleistet, Probleme gelöst. Immer wenn Karo ein Post-it lautstark zerknüllt, blitzt ein Lächeln auf den Gesichtern der Squad-Mitarbeiter auf. Schon wieder eine Aufgabe weniger.
„Das ist schon spannend, aber wir brauchen alle noch ein bisschen Zeit, um uns zu finden“, lässt Karo die ersten Tage des agilen Abenteuers Revue passieren. Sie ist sicher: „Das schaffen wir schon.“

Alle müssen neue Wege gehen


In ihrem Squad arbeiten nun Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und Spezialgebieten zusammen. „Was unser Squad für die Baufinanzierung betrifft, sind wir nun gut aufgestellt: zwei Kollegen kümmern sich um das Pricing und die Produktstrategie, eine andere um das Bestandskundenmanage­ment und wieder zwei weitere um die Kundenkommunikation“, erläutert Karo. Hinzu kommen: eine Datenanalystin, eine Expertin für die Prozessentwicklung und eine Produktentwicklerin. „Ziemlich viele unterschiedliche Köpfe, die aber alle für ein Ziel arbeiten: dem Kunden das Beste zu bieten“, sagt Karo.


Seit Beginn der Umstellung sieht sie „kaum Schwierigkeiten“. Der überwiegende Teil des Teams arbeitet bereits seit längerem, also schon vor der Umstellung, zusammen. „Das hilft natürlich“, weiß Karo. Sie beobachtet, „dass sich bei uns niemand auf die Füße tritt, weil alle auf dem gleichen Stand sind“. Das heißt: Wenn keiner weiß, wie es funktioniert, müssen alle neue Wege gehen. Das rufe aber natürlich auch Ängste hervor. „Denn bislang kannte jeder nur seine eigenen Aufgaben und Prozesse“, sagt Karo. Ihre Kollegin Corinna, die vom Team liebevoll Coco genannt wird, erklärt die neue Arbeitswelt so: „Nun muss jeder Mitarbeiter das Gesamtbild im Auge behalten.“ Und zu Beginn gehe es um ganz banale Dinge: „zum Beispiel den Kalender von alten, standardisierten Terminen reinigen, Dailys abhalten, alte Aufgaben abschließen, den Kollegen bei einer Aufgabe helfen, zusammengefasst: einfach enger zusammenarbeiten“, zählt Coco auf.nichts aus der Ruhe bringen.

„Das agile Arbeiten ist schon spannend, aber wir brauchen alle noch ein bisschen Zeit, um uns zu finden. Aber das schaffen wir schon. “

Karo, Product Ownerin

„Scheitern erlaubt“


Für Karo ist die Umstellung in ihrer Rolle als Product Ownerin„ein Balanceakt zwischen Verantwortung übernehmen und den Mitarbeitern ein gutes Gefühl geben“. Nach einer so einschneidenden Umstellung sei „Scheitern natürlich erlaubt“, sagt Karo. Wichtig sei nur, dass ein Fehler transparent gemacht wird und jeder sofort weiß, wo eine Baustelle aufploppen könne.

Für Karo ist das fast schon Routine. Sie kann nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Schließlich kennt sie alle Facetten des Bankings. Seit ihrer Ausbildung bei einer lokalen Sparkasse hat sie alle Bereiche durchlaufen: „Von der Kasse am Schalter bis zum Private Wealth Relationship Manager habe ich alles einmal durch“, erläutert Karo. Sie ist gern in Bewegung, am Wochenende quer durch Deutschland unterwegs, um Familie und Freunde mit ihrem Ehemann zu besuchen. Während sie das erzählt, tritt sie von einem Bein aufs andere. Sie muss los. Ein Meeting im Obeya steht an. „Auch so ein neues Wort“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Und schon ist sie weg.

„Zu Beginn geht es um ganz banale Dinge, zum Beispiel den Kalender von alten Terminen bereinigen, Dailys abhalten, alte Aufgaben abschließen, den Kollegen bei einer Aufgabe helfen, zusammengefasst: einfach enger zusammenarbeiten. “

Corinna „Coco“, Squad-Mitglied

Zwei Wochen später


Ein musternder Blick, ein Lächeln: Zwei Wochen später sitzt Karo gemeinsam mit ihrem Squad in einem kleinen Raum und diskutiert die kommenden Aufgaben. Die Sprint-Planung – auch „Planning Session“ genannt – steht an. Coco referiert gerade über ein Angebot, das Baufinanzierung und Girokonto miteinander verknüpft. Die entsprechende Aufgabe dazu steht zur Diskussion. Kann das Team das in den kommenden zwei Wochen abarbeiten? „Können wir uns das alle vorstellen?“, fragt Karo. Alle stimmen zu.


Die Atmosphäre ist offen, fast schon ausgelassen, aber konzentriert. Die Mitarbeiter stellen Detail-fragen, Karo antwortet oder gibt die Frage an einen Kollegen weiter. Immer mehr Post-its wandern aus dem Backlog in die nächste Spalte, den anstehenden Sprint. Weiter geht´s: Aufgabe nach Aufgabe wandert über das Board. Karo blickt aufmerksam in die Runde, kommuniziert viel. Mehrfach wiederholt sie die Fragen: „Passt es für alle, das einmal auszuprobieren? Sind wir uns einig, dass wir das in diesem Jahr noch schaffen wollen?“

Alle agilen Begriffe im Text kurz erklärt

  • Daily

    Tägliches Treffen aller Mitglieder eines agilen Teams – meist morgens. Innerhalb kürzester Zeit (15 Minuten) berichten alle Teammitglieder, was sie seit dem Daily vom Vortag geschafft haben, woran sie als Nächstes arbeiten werden und was sie dabei gegebenenfalls behindert. So soll das Team täglich in kürzester Zeit den vollen Überblick darüber bekommen, wer woran arbeitet, und kann erkennen, wo Abstimmungs- und Unterstützungsbedarf besteht.

  • Obeya

    Der Obeya Room ist ein physischer Ort, an dem alle relevanten Informationen zur Strategie, zu regulatorischen Anforderungen und priorisierten Themen an den Wänden kleben, und wird vom Management genutzt. Dadurch können der gesamte Prozess, die Herausforderungen und die Möglichkeiten überblickt werden. Neben einem bankweiten haben jeder Tribe und jedes CoE einen eigenen Obeya Room.

  • Planning Session

    Für jeden Sprint gibt es ein Planungsmeeting, in dem die zu erledigenden Aufgaben für den nächsten Sprint in das Sprint Backlog aufgenommen werden. Darin wird festgelegt, wie das Minimum Viable Product (MVP) aussehen soll, welche Aufgaben es für den nächsten Sprint gibt und welche Themen im Sprint Backlog priorisiert werden. Das Review ist auf den Inhalt bezogen, das Retro auf die Zusammenarbeit.

  • Sprint

    Damit wird ein Arbeitszyklus bezeichnet, der zwei Wochen andauert. Am Ende des Sprints steht ein Sprintziel, das einen gewissen Arbeitsumfang und/oder die Lösung einer konkreten Aufgabe festlegt.

  • Squads

    Das sind Teams von mindestens fünf und maximal neun Mitarbeitern. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Fachbereichen und verfügen über spezielle Kenntnisse (aus ihren Chaptern). Die Squads sind autonom und end-to-end verantwortlich für eine spezifische kundenbezogene Aufgabe.

  • Tribe

    Der Tribe ist eine Zusammenfassung verschiedener Squads mit der gleichen Aufgabe oder mit dem Fokus auf die gleiche Zielgruppe. Ein Tribe besteht aus maximal 150 Mitarbeitern. Er sorgt dafür, dass die Squads ihre Arbeit leichter erledigen können, und unterstützt diese bei der Realisierung ihres Ziels.

 

„Das Funkeln in den Augen der Kunden“


Anastasia nickt. Sie ist Datenanalystin und „fest in Karos Squad entliehen“, wie sie sagt. Das heißt, sie hilft dabei, den Datenhaushalt im Squad zu strukturieren und automatisierte Lösungen zu finden. Dazu sorgt sie für die Datenbeschaffung, hilft bei der Datenverarbeitung und versucht, „den Kollegen einen Blick für Daten zu vermitteln“. Sie hat das agile Arbeiten bereits vor einem Jahr ausprobiert. „Das Mindset ist mir in den ersten Zügen schon bekannt“, sagt sie. Das heißt aber auch: „Ich versuche, meine bereits gewonnenen Erfahrungen mit den Kollegen zu teilen und die agile Arbeitsweise gemeinsam für uns passend einzusetzen“, erklärt Anastasia.

One Agile Way of Working: Do‘s and Dont‘s

  • Alte Gewohnheiten loslassen

    Prozesse, Meetings und teilweise Hierarchien. Führungskräfte geben Verantwortung an ihre Mitarbeiter ab. Die Teams agieren selbstständig und sind end-to-end verantwortlich.

  • Silos aufbrechen

    Sei offen für ein neues Mindset und eine neue Arbeitsweise.

  • Teilen

    Teile Best Practises, Learnings und Erfolge.

  • Fang einfach an

    Learning by doing! Hab keine Angst vor Fehlern.

  • Erreichbare Ziele

    Mach nur Dinge, die dazu beitragen, die Ziele zu erreichen.

  • Das große Ganze

    Verlier nicht das große Ganze aus dem Blick. Austausch zwischen den Tribes ist wichtig. Behalte die übergeordneten Epics und User Stories im Auge.

  • Ein „bisschen“?

    Ein „bisschen“ agil Arbeiten funktioniert nicht

Karo pflichtet ihr bei: „Keiner muss sich blöd fühlen, wenn mal etwas nicht klappt.“ Auch nach zwei Wochen ist noch nicht alles perfekt. „Aber es wird, wir wachsen gerade sehr gut zusammen“, ist sich Karo sicher. Hat sie jemals Angst gehabt, dass das agile Abenteuer sie und ihr Team überfordern könnte? „Nein, ich habe keine Angst“, sagt sie. Im Gegenteil: „Wenn sich viel verändert, besinnt man sich auf das Wesentliche“, bemerkt sie. Gemeinsam Probleme lösen, den Kunden etwas ermöglichen, Zusammenhalt schaffen. Das versucht sie jeden Tag. In diesen spannenden Wochen erinnert sich Karo häufig daran zurück, warum sie zu Beginn ihrer Laufbahn unbedingt in die Baufinanzierung wollte. „Das Funkeln in den Augen der Kunden, wenn ihre Träume wahr werden und sie in ihr eigenes Haus einziehen, das ist es“, sagt sie.

 

Gemeinsam mit ihrem Ehemann ist sie gerade selbst auf der Suche nach einem Eigenheim. Am liebsten in Frankfurt – „auch wenn das schwer werden kann“, wie sie weiß. Aber Karo kann nichts aus der Ruhe bringen.

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