Denkste

Nicht smart genug fürs neue Home?

Ich liebe die Digitalisierung. Aber mitunter geht sie mir doch zu weit. Und zwar genau dann, wenn die Maschinen in meinem Zuhause zu einflussreich zu werden drohen.

Das smarte Home macht das Leben um so vieles schöner und leichter. Gäbe es nicht hin und wieder den Clash zwischen der Gedankenwelt der Ingenieure und der Realität. Das musste vor einiger Zeit auch der US-Amerikaner Jesse Newton erkennen. Wie gewöhnlich gingen Jesse und seine Frau in jener Augustnacht froh gelaunt ins Bett im festen Bewusstsein, dass ihr smarter Hausroboter namens Roomba alle Staub- und Dreckspuren in Flur, Küche und Wohnzimmer bis zum Morgen schon erledigt haben würde. Dazu gehörten auch die kleinen Häufchen, die auf das Konto des Babyhundes „Evie“ gingen.

 

Doch fürs Aufwischen von Pupsresten fühlt sich ein intelligenter Hausfreund von heute offenbar nicht mehr zuständig. Statt die Böden zu säubern, richtete Roomba des nachts eine mittlere Katastrophe an. Den Facebook-Post zur „Pooptastrophe“ haben längst Hunderttausende angeklickt. An Stuhl- und Tischbeinen, auf Teppichläufern und Zierleisten fanden die Hausbesitzer am Morgen kunstvoll verteilte braune Schmiere wieder – der abstrakte Expressionist Jackson Pollock hätte seine wahre Freude gehabt. Frei nach dem Motto: „Kann das weg? Nein, das ist Kunst!“

 

Vielleicht war sich Roomba in diesem Fall einfach zu fein für solche Drecksarbeit. Ich kann ihn ja verstehen. Oder es war die reine Eifersucht: Hausroboter oder Hund – wer gewinnt das Herz des Herrchens? Wir werden es nie erfahren. Der Verdächtige schweigt beharrlich. Roomba und die anderen Geräte – vom voll vernetzten Kühlschrank bis zur mitdenkenden Kaffeemaschine – werden immer klüger und vereinen jedes für sich mehr Bits und Bytes als sämtliche Großrechner der US-Amerikaner während ihrer ersten Mondmission.

 

Überlegenheit wird in Speicherleistung gemessen. Das muss ich schlicht anerkennen. Aber es ist ja nicht so, dass ich selbst gar nicht mehr dazulerne. Ich bin jetzt erst einmal raus, Gassi gehen. Soll keiner sagen, ich hätte noch nie etwas von Jesse Newton gehört …

 

Was meinst du?

dislike

Hat mich weniger interessiert

Lieber Nutzer,
bitte verrate uns doch, warum dir der Artikel weniger gut gefallen hat. Alle Felder mit einem Sternchen müssen ausgefüllt werden.

Die von dir eingegebenen Daten löschen wir nach der Auswertung deines Kommentares sofort.

Deine Einwilligung kannst du jederzeit ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft durch eine entsprechende Email an Du@ing-diba.de widerrufen.

Allgemeine Informationen zur Verarbeitung deiner Daten findest du hier

Du Logo