Wir da

9.000 Kilometer entfernt

Yao, 26, ist IT-Trainee bei der ING in den Niederlanden. Seit April macht sie in Deutschland Station. Was sie von China über Amsterdam nach Deutschland geführt hat und wieso Essen und Kommunizieren echte Herausforderungen sind.

„Mein Heimatort ist 9.000 Kilometer von Frankfurt entfernt“, berichtet Yao. Letztes Jahr ist sie zu ihrem Freund nach Amsterdam gezogen und hat im Oktober ein IT-Traineeship bei der ING begonnen. Ursprünglich kommt sie aus dem mittleren Norden Chinas, wo ihre Eltern und ihr Bruder leben. Sie ist Data Engineer und hat in ihrer ersten Rotation als Information Architect das Projekt Open Metadata und Governance mit externen Partnern unterstützt. Damit wird sichergestellt, dass die Datenbestände transparent eingeschätzt, verwaltet und genutzt werden, um den größtmöglichen Wert für die ING zu liefern.

 

Yao spricht fast akzentfrei Englisch. „Das habe ich mit meinem niederländischen Freund trainiert“, lacht sie. Auch wenn sie inzwischen Deutsch lernt, ist Englisch die gemeinsame Sprache des International Advanced Analytics Teams, für das sie in Frankfurt noch bis September arbeitet.

 

Liebe kennt keine (Länder-)Grenzen


Yao hat ihren Bachelor in Xiamen, China, gemacht. „Dort ist das Wetter so gut, dass viele niederländische Studenten dort ihr sechsmonatiges Auslandssemester verbringen. Da habe ich im letzten Bachelor-Semester auch meinen Freund kennengelernt“, erzählt sie. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie allerdings schon eine Zusage für ihren Master in Software Engineering in Peking. Von da an pendelte Yao alle paar Monate zwischen der chinesischen Hauptstadt und den Niederlanden, um ihren Freund zu besuchen.

 

Als Chinesin musste sie sich an vieles in Europa erst gewöhnen. Die größte Herausforderung? „Eindeutig das Essen!“, sagt sie. „In China gibt es zu jeder Tageszeit warmes Essen. Das war eine ganz schöne Umstellung, mittags plötzlich nur noch kalte Salate oder Sandwiches zu essen.“ In der Hinsicht gefallen ihr Deutschland und die ING-DiBa mit dem üppigen Mittagsangebot besser als Amsterdam.

 

Zwischen den Zeilen lesen


Abgesehen vom Essen stellte Yao weitere Unterschiede zwischen den drei Ländern fest, in denen sie bislang lebte. Die ersten Wochen in Deutschland verbrachte sie vor allem mit Alltagsbeobachtungen. „Die Art und Weise, wie Leute Ideen einbringen, unterscheiden sich sehr“, stellt sie fest. Während in China lange diskutiert und abgewogen werde, sei man in den Niederlanden sehr direkt und offen, was ihr gut gefalle. Ihren Erfahrungen nach ist das für die Deutschen aber hin und wieder eine echte Herausforderung. „In Amsterdam tauscht man sich montagmorgens bei einem Kaffee erst einmal über das Wochenende und seine Frei-zeit aus. Hier in Frankfurt werden oftmals ernstere Themen besprochen“, berichtet Yao. Während sie die Niederländer als locker und flexibel empfindet, kommt in den Deutschen hin und wieder der klischeehafte Bürokrat durch – beispielsweise wenn etwas nach Schema F gemacht werden muss, weil es schon immer so gemacht wurde. „Die neue Arbeitsweise, für Dinge einstehen oder Sachen auf eine andere Art und Weise zu machen, sind hier nicht so einfach“, findet Yao.

 

Digitales Deutschland


„Eine echte Herausforderung ist für mich das Bezahlen mit Bargeld“, sagt die gebürtige Chinesin. Im Vergleich zu China, wo sämtliche Bezahlvorgänge über Apps laufen, kommt ihr Deutschland wie die Steinzeit vor: „In China kann man sogar sein Mittagessen bei jedem Straßenhändler kontaktlos bezahlen, indem man einen QR-Code scannt!“

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