Was macht ihr da?

Vertrauen ist gut, ...

… Kontrolle ist besser? Ganz so leicht macht es sich Moritz, Compliance-Beauftragter der ING-DiBa, nicht. Gemeinsam mit Whistleblowing-Officer Ulrich erklärt er im Interview, welche Standards eingehalten werden müssen und was bei einem Regelverstoß zu tun ist.

Moritz, zur Verantwortung eines Unternehmens gehört heute auch ein Compliance-Management, das darauf achtet, dass die Normen und Regeln der Firma eingehalten werden. Welche Rolle spielst du dabei?
 

Moritz: Compliance bedeutet in erster Linie Prävention. Wir überlegen uns also, in welchem rechtlichen Umfeld wir uns bewegen müssen, um als Bank in diesem Rahmen zu bleiben. Das können sehr komplexe Sachverhalte sein, wie MiFID II oder die neue Datenschutz-Grundverordnung, genauso wie allgemeine Fragen zum richtigen Verhalten in einem großen Unternehmen.

 

Das klingt gut. Aber wie geht ihr mit Regelverstößen um?
Moritz: Bei uns arbeiten 4.000 Menschen. Und da, wo Menschen aufeinandertreffen, geht auch mal was schief. Das gehört dazu. Wir müssen uns deswegen fragen, wo ist das vertretbar und wo brauchen wir klare Grenzen. Ich bin auch dafür verantwortlich, strafbare Handlungen zu verhindern. Das heißt: Wenn wir Betrugsfälle intern oder extern haben, dann schauen wir genau hin, wie wir sie aufklären und zukünftig verhindern können.

 

Ulrich, du kommst dann zum Zuge, wenn es schon fast zuspät ist, oder?
Ulrich: So ganz stimmt das nicht. Ich bin als Whistleblowing Officer mit einer zusätzlichen Rolle be-traut. Als weiterer Eingangskanal stehe ich für Mitarbeiter zur Ver-fügung. Meldungen oder auch Fragen können mich im frühen Stadium erreichen. Deshalb stehe ich nicht versteckt hinter der Hecke, sondern bin im Unternehmen ganz einfach auffindbar.

 

Worauf du achten solltest …

Das Thema Whistleblowing ist häufig in den Nachrichten, es gibt prominente Fälle wie Edward Snowden oder Chelsea Manning. Für viele Mitarbeiter ist Whistleblowing aber ein inhaltsloses Buzzword. Kannst du kurz erklären, was es genau damit auf sich hat?


Ulrich: Whistleblower melden Fehlverhalten in einer Organisation und decken damit – mal größere, mal kleinere – systematische oder auch individuelle Missstände auf. Auch wenn es prominente Fälle gab, müssen
sie sich nicht direkt in die Öffentlichkeit stellen. Ich als Whistle-blowing-Officer kann diese Rolle in unserem Unternehmen übernehmen.


Moritz: By the way: Diese großen Fälle gab es bei uns nicht und wird es auch nicht geben. Als ING-DiBa ist korrektes Verhalten ja Teil unserer Unternehmenskultur.

 

Okay, aber was genau ist für euch korrektes Verhalten im Bankalltag?


Moritz: Ausgangspunkt ist natürlich unser Orange Code. Und der hat drei elementare Werte: Wir sind ehrlich, wir sind umsichtig und wir sind verantwortungsbewusst. Wir gehen fair mit unseren Kunden um. Das ist unser Leitbild. Sollte das im Einzelfall nicht reichen, kann sich jeder Mitarbeiter fragen: Fühlt sich das gut an? Fühle ich mich wohl mit dem, was ich tue?

 

„Das Bauchgefühl ist immer ein guter Indikator. Und die Frage, was wäre, wenn dieser Fall transparent in der Öffentlichkeit bekannt wäre? “

Moritz, Compliance-Beauftragter

Wie merke ich denn, wenn etwas falsch läuft? Welche Indikatoren gibt es dafür? Das ist ja nicht immer so leicht.


Moritz: Das individuelle Bauchgefühl ist immer ein guter Indikator. Und die Frage, was wäre, wenn dieser Fall komplett transparent in der Öffentlichkeit bekannt wäre? Könnten wir dahinterstehen? Wenn da Zweifel auftreten, dann läuft etwas falsch. In diesem Fall ist es wichtig, dass ich als Mitarbeiter offen mit den Themen umgehe. Dazu kann ich mich an meinen Vorgesetzten wenden, an die Personal- oder Compliance-Abteilung oder eben auch an den Whistleblowing-Verantwortlichen.

 

Wie schaffst du es denn, dass bei einer Meldung nicht sofort mein ganzer Squad Bescheid weiß?


Ulrich: Vertraulichkeit ist das wichtigste Gut. Das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben. Wenn nötig, wird ein geeigneter Ort außerhalb der Bank gefunden, um einen möglichen Verdacht zu erörtern. Es gibt sogar die Möglichkeit, mir anonymisierte Hinweise zu geben.

 

„Vertraulichkeit ist das wichtigste Gut. Das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben.“

Ulrich, Whistleblowing-Officer

Besteht durch die Umstellung auf den One Agile Way of Working, in dessen Zuge der ein oder andere Kollege eine bislang unbekannte Position bekleidet, ein erhöhtes Risiko für Regelverstöße?
 

Ulrich: Allein aus der agilen Transformation würde ich keine Risiken herleiten. Ich bleibe lieber allgemein: Jede Veränderung birgt Chancen und Risiken.


Moritz: In Bezug auf Regulierungen haben wir die Frage, wie passen Bankenregulierung und Agilität zusammen, auf dem Schirm. Auf der persönlichen Ebene wollen wir mit der Agilität ja die Eigenständigkeit der Mitarbeiter fördern. Ich glaube, das hilft uns auch beim Thema Compliance. Denn je stärker die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass die ING-DiBa ihre Bank ist, in der sie etwas bewegen können, desto höher das Verantwortungsbewusstsein.

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