Ich sag's euch

Bank 2025: Welche Bank?

Der Handel von heute hat morgen keine Zukunft mehr, weder stationär noch online. So wie mit dem Handel verhält es sich aus meiner Sicht auch mit dem Geschäftsmodell Bank. Warum? Und wie sehen die Geschäftsmodelle aus? Ein Gastbeitrag von Alexander Graf

Ich persönlich traue mir nicht zu vorherzusagen, welche Anbieter und Geschäftsmodelle 2025 dominieren werden und wer davon am meisten profitiert. Ich glaube allerdings daran, dass es 2025 Modelle sein werden, die wir heute noch nicht kennen. Das ist auch der Grund, weshalb ich sage, dass Unternehmen nicht mehr in Geschäftsmodelle „investieren“ sollten, sondern nur noch in Fähigkeiten – Fähigkeiten, um schneller zu agieren. Fähigkeiten, um sich schneller verändern zu können. Fähigkeiten, um den Markt zu gestalten und nicht zu imitieren.

 

Plattformen sind die Zukunft

 

Aber warum ist der Handel aus meiner Sicht 2025 kaum noch relevant? Es liegt am Geschäftsmodell.Der Einkauf von Produkten bei (Marken-)Herstellern, die Veredelung in Form ausgefeilter (stationärer und on  line)

Sortimentskonzepte inklusive des Weiterverkaufs an Endkunden mit Preisaufschlägen zwischen 5 und 500 Prozent. Das Modell basiert auf einerWertschöpfungskette, die durch die Digitalisierung obsolet geworden ist.

Angebotskonzepte, also Handelsformate, die sich über eine bestimmte Zielgruppe oder ein begrenztes Sortiment definiert haben, sind fast immer den Plattformkonzepten unterlegen. Am Anfang sah es noch danach aus, dass diese neuen Plattformen wie Amazon, Zalando und Alibaba die Fortsetzung der Handelskonzepte sind, aber spätestens seit vergangenem Jahr steht fest, dass alle Plattformen die Handelsmarge nicht mehr als wesentliche Ertragssäule ansehen.

 

Das Geschäft hat sich fundamental verändert, indem nun alle großen Plattformen lediglich Reichweite vermieten. Und diese Miete steigt an. Zusätzlich zur Vermietung von Reichweite entsteht durch das rasante Wachstum der Plattformen neues Geschäftspotenzial. So ist Amazon Web Services bereits zur wichtigsten Einnahmequelle für das Unternehmen geworden und bei Wettbewerbern wird es

Ähnliches geben. Das Geschäftsmodell Warenhandel ist zum billigen Steigbügelhalter der Plattform­ökonomie verkümmert und mit ihm platzen auch die letzten Hoffnungen der stationären Händler, die sich vergeblich dem Click & Collapse hingeben.

 

Vom Handeln und Wandeln


Das ist alles keine Schwarzmalerei. Das ist die Realität, der die „Handel ist Wandel“-Sager gegenüberstehen. Der Wandel, den sie meinen, zeichnet ein für Händler stabiles Zukunftsbild. Ein wenig mehr online, eine moderne Kassenzone, etwas mehr Service und noch mehr Liebe bei der Auswahl der angebotenen Waren. So etwas in der Art. In Wahrheit findet der Wandel aber in einer atemberaubenden Geschwindigkeit statt. Heute muss man als Händler so sein wie Zalando. Code & Daten stehen im Zentrum des Unternehmens, der Kunde wird nicht mehr mit Angebotskonzepten gelockt, sondern bekommt möglichst personalisiert genau das angeboten, was er gerade braucht und sucht. In allen möglichen digitalen Kaufsituationen und in Kürze auch noch via Bestellung per Sprachassistent. Und auch dieses Szenario bröckelt schon wieder. Zalando, Amazon & Co. müssen permanent versuchen, sich selbst neu zu erfinden, bevor es ein anderer tut. Das ist die Art von Wandel, die der Handel braucht. Technologieunternehmen gelingt das scheinbar
besser als Unternehmen, die von der Einkaufsabteilung dominiert werden. Als Marc Andreessen 2011 sein bekanntes „Software is eating the world“-Mantra lancierte, haben die meisten Händler gelächelt. Lächelnde Händler habe ich 2017 kaum gesehen.

 

Und genau das Gleiche passiert aktuell mit dem Geschäftsmodell der Bank. Ein ursprünglich geschlossen funktionierendes Geschäftsmodell, das seine Rendite über Zinsen und Gebühren erwirtschaften konnte, muss sich ebenfalls mit der Plattformökonomie abfinden und sich neu erfinden. Und auch hier scheinen die neuen Unternehmen mit Code & Daten im Kern erfolgreicher zu sein. Weil sie eben nicht zehn Jahre brauchen, um neue IT-Systeme auszurollen, und weil sie 100 Prozent vom Kunden aus denken. Nicht weil sie besser sind und das wollen, sondern weil es dazu keine Alternative mehr gibt.

Über den Autor

Alexander Graf ist Unternehmer, E-Commerce-Experte sowie Gründer und CEO von Spryker Systems, einem Unternehmen für agile Shoptechnologie. Über seine mehr als zehnjährige Erfahrung im Digitalmarkt schreibt er auch in seinem Blog www.kassenzone.de. Im Februar war er als Referent bei den Digi Days der ING-DiBa dabei.

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