Illustration

  © Rinah Lang

Einfach mal
machen

Egal ob Auswandern, das selbst gebaute Haus oder eine kleine Bastelei. Nur wer sich seinem Projekt zu 100 Prozent verschreibt, hat Erfolg.

Ein Gastbeitrag von Konny Reimann

Das kennt ihr bestimmt auch. Ihr schlendert ganz unbedarft mit Frau und Kind über eine Touristenmeile oder einen kleinen Markt und irgendwann ist es dann so weit. „Schau mal, Konny, das ist doch schön. Das würde doch prima in unser Wohnzimmer passen.“ Im ersten Moment schaut ihr etwas verunsichert und habt noch die leise Hoffnung, dass es nicht sein soll, aber dann stellt sich heraus, dass leider doch die wackelige Holzfigur gemeint ist. Auf einem morschen Brett als Unterlage thront – gehalten von einem rostigen Nagel – ein Treibholz, das mit zwei Augen versehen unverkennbar einen Wal darstellt. Ich musste zugeben: Auch mir gefiel das Kunstwerk, aber es widerstrebte mir, Geld für das windschiefe Objekt zu bezahlen. „Die Idee ist nett, aber Manu, das mach ich einfach selbst.“ Olle Bretter und krumme, rostige Nägel haben wir genug und beim nächsten Strandspaziergang findet sich bestimmt auch ein passendes Stück Treibholz. Und ihr könnt euch schon denken, was passierte. Nämlich nichts.

Obwohl es nicht schwer wäre, die Idee zu kopieren, wird sie nie in die Tat umgesetzt. Und wenn doch, wird das Ergebnis nie so sein wie der lustige Wal von einst. Keine Ahnung warum, aber es hat den Anschein, dass nur das richtig gut wird, was man mit Leib und Seele angeht und was einem einfach Spaß macht.

Ein alter Chinese namens Konfuzius hat mal gesagt: „Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten.“ Wenn ich’s mir recht überlege: Der Mann hat recht und rückblickend sind auch bei uns immer die Dinge am besten geglückt, die wir mit viel Elan, Spaß und vollem Einsatz vorangetrieben haben. Als wir damals in die USA ausgewandert sind, haben wir das ja auch nicht halbherzig verfolgt. Wir hatten keinen Plan B und auch zu keiner Zeit darauf spekuliert, dass es in der alten Heimat schon ein Amt gibt, das uns retten wird, wenn es doch nicht klappt. Wir haben beide einen Beruf, der uns Spaß macht, und so sind wir immer wieder neu durchgestartet. Einfach so, aber nie in dem Glauben, dass es woanders besser ist als zu Hause. Wir haben uns in Deutschland sehr wohlgefühlt, haben in Texas an unserem See glückliche Zeiten verlebt und, da wir schon immer den Traum hatten, einmal auf einer Insel zu wohnen, sind wir jetzt nach Hawaii umgezogen.

Und wie immer gibt es auch hier nur einen einzigen Plan und zwar den Plan A. So muss es auch sein. Die Zeit ist einfach zu schade, um etwas halbherzig in die Tat umzusetzen. Wenn du was anfängst, dann mach es ordentlich, egal ob du deine Zeit im Büro verbringst oder gerade zuhause vor dich hin werkelst. So habe ich es jedenfalls immer gemacht und es hat in den meisten Fällen auch funktioniert. Ich hoffe, dass dies auch in Zukunft weiter so sein wird. Ich bin nämlich gerade wieder in der Planungsphase für mein neuestes Projekt. Dauert zwar noch etwas und ich muss auch noch ein wenig sparen, aber dann baue ich meiner Manu hier bald einen Pool. So richtig mit Wasser drin. Ich hab zwar noch keine Ahnung wie, aber da hab ich Spaß dran. Damals in Deutschland hatte ich ihr auch schon einen gebaut. Hab von einem alten VW-Campingbus das Hochdach abgeflext und umgedreht im Garten verbuddelt. Vom Schrottplatz ’ne alte Feuerwehrpumpe besorgt und fertig war auch die Gegenstromanlage. Leider war die etwas zu stark und Manu musste immer um ihr Leben schwimmen, aber immerhin. Jetzt werde ich das professioneller angehen. Ich glaube, im Berufsleben bezeichnet man so einen wie mich als Quereinsteiger.

So, jetzt muss ich aber los zum Strand. Ich suche immer noch nach einem Stück Treibholz, das wie ein Wal aussehen könnte. Das ist doch gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussah. Unter uns: Ich hab sogar noch mal bei dem Typen vorbeigeschaut, um das Kunstobjekt doch käuflich zu erwerben. Da hatte aber schon einer vor mir gemerkt, dass nur gut wird, was man mit Überzeugung und Spaß in die Tat umsetzt. Der „Windschiefe Wal auf rostigem Nagel“ war bereits verkauft. Grüßt mir die Heimat. Euer Konny.