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  © Rinah Lang

Du kannst
mich mal!

Vom souveränen Umgang mit unangenehmen
Zeitgenossen.

Ein Gastbeitrag von Sandra Lüpkes

Es gibt bei weitem nicht nur Wohltäter, die gutes für die Gesellschaft tun. Es gibt leider auch Personen, bei denen kann der Sicherheitsabstand gar nicht groß genug sein, weil sie uns reizen, uns nerven, eine echte Zumutung sind. Vor allem wenn wir ihnen (notgedrungen) regelmäßig begegnen. Und immer wieder fragen wir uns: Wie kann man nur so – such dir etwas aus – bescheuert, egoistisch, arrogant, ungerecht oder miesepetrig sein?

Die cholerische Chefin, der hinterhältige Mitarbeiter, die missgünstige Schwägerin, der besserwisserische Sportkamerad: Wir fühlen uns diesen unangenehmen Zeitgenossen hoffnungslos ausgeliefert. Und die Aussicht, dass die betreffende Person sich irgendwann einmal ändert, ist auch eher mau. Was also tun?

Glücklicherweise gibt es Strategien, solche Begegnungen nicht nur erträglicher zu gestalten, sondern darüber hinaus sogar ein klein wenig davon zu profitieren. Denn wen oder was wir unsympathisch finden, verrät viel über uns selbst und unsere wunden Punkte. Der eine reagiert allergisch auf notorische Lügner, bleibt aber total gelassen, wenn er grundlos angeschrien wird. Dafür kann die andere voller Souveränität einem Schnorrer eine Absage erteilen, fühlt sich aber elend, sobald ihr jemand zu nah auf die Pelle rückt.

Das Problem liegt also nicht (nur) bei unserem Gegenüber, sondern auch zu großen Teilen bei uns selbst. Sobald man diesen Zusammenhang für sich durchleuchtet hat, kann einen so schnell niemand mehr erschrecken. Dabei geht es um drei Punkte, die wir uns bewusst machen sollten:

Was steckt hinter dem Verhalten des anderen?

Dass sich niemand ohne Grund danebenbenimmt, ist ja erst einmal nichts Neues. Meistens werden auffällige Verhaltensmuster antrainiert, um einen Missstand zu beheben. Eine Art Schonhaltung: Menschen benehmen sich auffällig, damit eine andere Macke nicht so schmerzhaft sichtbar wird.

Oft lassen sich Merkmale von Persönlichkeitsstörungen erkennen: ein narzisstischer Charakter, eine Borderline-Symptomatik, theatralisches oder antisoziales Verhalten, mit dem der Betroffene – und in diesem Fall ist der
Quälgeist tatsächlich so zu nennen – eine innere Leere zu kaschieren versucht.

Bei einem querulatorischen Kunden beispielsweise, der bei jedem kleinen Fehler gleich seitenweise Beschwerdebriefe an die Vorgesetzten schreibt, ist die übertriebene Kampflust gegen alles und jeden oft die einzige Leidenschaft, die er sich zugestehen kann. Ansonsten sieht es im Inneren des Motzkopfs sehr traurig und verlassen aus. Er ist misstrauisch, um nicht enttäuscht zu werden, und macht aus einer Mücke einen Elefanten, um sich selbst größer zu fühlen.

Was genau löst dieses Verhalten bei mir aus?

Es ist uns bei manchen Menschen schlichtweg unmöglich, gelassen zu bleiben. Und das liegt daran, dass sie bei uns eine Saite zum Schwingen bringen, die für Missstimmung sorgt. Nehmen wir mal eine neidische Kollegin, die die Dinge, die uns wichtig sind, ständig runterputzen muss.

Diesen Affront könnte man auch ganz cool an sich abperlen lassen und denken: Recht hat sie, ich bin wirklich zu beneiden. Aber stattdessen grämen wir uns, suchen das Körnchen Wahrheit in ihren Sätzen und sind bemüht, bloß keinen weiteren Anlass für Missgunst-Attacken zu bieten. So machen wir uns vielleicht kleiner, als wir sind. Da wird deutlich: Wir tun uns schwer damit, stolz zu sein. Wir verbieten uns, Überlegenheit zu fühlen, selbst wenn sie gerechtfertigt ist. Deswegen empfinden wir den Angriff auf uns als besonders ungerecht.

Wie kann ich mich selbst stärken, damit ich in Zukunft gelassener reagiere?

Sobald wir verstehen, warum diese Person so handelt und weshalb sie es immer wieder schafft, dass wir uns dadurch schlecht fühlen, sind wir auf gutem Weg, dagegen immun zu werden. Einfach, weil man den Unwägbarkeiten im Zwischenmenschlichen plötzlich ganz anders begegnet. Statt zu denken: „Hilfe, da kommt dieser Typ schon wieder“, verlassen wir die passive Position und gehen aktiv mit dieser Abneigung um: „Diesen Widerling kann ich einfach nicht ausstehen. Würde mich mal interessieren, woran das wohl liegt.“

So wird aus einem Problem eine Aufgabe, die man mit ein bisschen Übung und Geduld durchaus bewältigen kann. Denn die sicherste Methode, mit einem unangenehmen Zeitgenossen fertigzuwerden, liegt in uns selbst. Das bedeutet nicht, dass wir von nun an immer Friede-Freude-Eierkuchen spielen müssen. Nein, wir haben ein Recht darauf, jemanden absolut nicht ausstehen zu können. Soll die Person ruhig weiterhin ihr Gift verspritzen. Wir müssen uns ja nicht länger zur Zielscheibe machen lassen.