Faktencheck

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Ausgestorbene Altruisten?

Ginge es nach Evolutionspsychologen, dürfte es heutzutage gar keine Altruisten mehr geben. Sie definieren eine Handlung als altruistisch, wenn ein Akteur eigene Ressourcen für andere opfert, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Demnach sollten Egoisten in der Menschheitsgeschichte stets mehr Ressourcen angehäuft haben als Altruisten – ein klarer Vorteil in der Evolution.

Falsch gedacht, findet der US-Ökonom Robert H. Frank. In seinem „Commitment Model“ macht er deutlich, dass Menschen über eine zentrale Fähigkeit verfügen: Sie können echte Altruisten von solchen Menschen unterscheiden, die nur vorgeben, altruistisch zu sein. Demnach konnten in der Menschheitsgeschichte immer echte Altruisten zusammenfinden, gemeinsam mehr Ressourcen anhäufen – und sich in der Evolution durchsetzen. Eine gute Nachricht für den Zustand unserer Welt.


Geld

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Bilanz des Helfens

22,1

 

Millionen Deutsche haben 2016 gespendet; im Vorjahr waren es noch 22,7 Millionen.

35

 

Euro gab jeder Spender im Schnitt; im Vorjahr waren es 37 Euro.

5,3

 

Milliarden Euro sind dabei zusammengekommen – die zweithöchste Summe in den vergangenen zehn Jahren. Das sind knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr, das noch von der Erdbebenkatastrophe in Nepal und dem Flüchtlingsstrom aus Ungarn geprägt war.

Quelle: Deutscher Spendenrat, GfK: Bilanz des Helfens 2017


Geteiltes Land

Von den Deutschen engagieren sich 45 Prozent ehrenamtlich, 55 Prozent tun dies nicht. Das geht aus der Studie „Motive bürgerschaftlichen Engagements“ des Bundesfamilienministeriums hervor. Der Unterschied zeigt sich auch in der Lebenseinstellung. Von den bürgerschaftlich Engagierten nennen je 42 Prozent als ihre Lebensziele „Verantwortung übernehmen“ und „Für andere da sein“. Bei den Nicht-Engagierten sind es je 35 beziehungswiese 34 Prozent.

Hände

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Moral ist ansteckend

Verhalten sich viele Menschen moralisch, dann fällt es Einzelnen schwer, mit der Norm zu brechen. Dies zeigt ein Feldexperiment, für das in Hotelzimmern verschiedene Hinweisschilder angebracht wurden. Sie sollten die Gäste dazu animieren, ihre Handtücher mehrfach zu nutzen. Eine gute Sache, um die Umwelt zu schonen – doch welcher der vier Texte war am effektivsten?

  1. Helfen Sie die Umwelt zu schützen!

  2. Helfen Sie Ressourcen für zukünftige Generationen zu schonen!

  3. Werden Sie unser Partner im Umweltschutz!

  4. Machen Sie es so wie die anderen Hotelgäste und schützen Sie die Umwelt.

In dem Moment, als die Gäste auf das Verhalten anderer aufmerksam gemacht wurden, warfen sie ihre
Handtücher tatsächlich am seltensten auf den Boden. Die Handtuchnutzung war beim vierten Schild um
28,4 Prozent häufiger als bei den anderen. Soziales und ökologisches Verhalten steckt offensichtlich an.

 

Wellness

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Prinzip Hoffnung

Schon Sokrates sah Gerechtigkeit als das höchste Gut überhaupt an. Die meisten Menschen sehen Gerechtigkeit nicht nur als wichtigen Wert an, sondern glauben, dass die Welt tatsächlich ein gerechter Ort ist. Zu diesem Ergebnis kommt der US-amerikanische Sozialpsychologe Melvin J. Lerner, der den „Gerechte-Welt-Glauben“ maßgeblich erforscht hat. Seine Erklärung: Ohne einen solchen Glauben wäre es uns kaum möglich, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.


RLA Logo

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Eine gute Alternative

Ganz und gar nicht nobel zeigte sich das Nobelpreis-Komitee in den 1970er-Jahren. Es lehnte den Vorschlag des Schriftstellers Jakob von Uexküll ab, zwei neue Auszeichnungen  für den Einsatz für die Umwelt und für den Kampf gegen Armut einzuführen. Die Begründung: Den Nobelpreis-Statuten nach darf Alfred Nobels Vermögen nur für den ursprünglichen Preis ausgegeben werden.

Kritik hagelte es schließlich schon genug bei der Einführung des Preises für Wirtschaftswissenschaften, obwohl die Schwedische Reichsbank das Geld stiftet. Von Uexküll nahm die Sache selbst in die Hand und gründete 1980 den Right Livelihood Award, der Menschen für ihr Engagement für ein besseres Leben auszeichnet. Noch heute wird er als alternativer Nobelpreis bezeichnet, obwohl er offiziell nicht so heißt.


Waage

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Inneres Ringen um die Moral

Jeder guten Tat liegt ein innerer Aushandlungsprozess zugrunde. So sah es der Urvater aller Ökonomen, Adam Smith. Nach seinem Konzept des „Dialogischen Selbst“ fungieren dabei verschiedene Teile unseres Innern als Staatsanwalt, Verteidiger und Richter. Während der „Staatsanwalt“ für die Moral plädiert, argumentiert der „Verteidiger“, warum ein egoistisches Verhalten vertretbar wäre. Der „Richter“ wägt beides gegeneinander ab und fällt eine Entscheidung – die für uns meist deutlich milder ausfällt als für andere Personen. Anders gesagt: Menschen akzeptieren Entschuldigungen für ihr unmoralisches Verhalten, die sie bei anderen niemals durchgehen lassen würden.