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Alles „bio“ oder was?

Früher war „Öko-Sein“ simpel: Man(n) oder Frau schlappte mit Birkenstock-Sandalen und selbst gebatikter Latzhose durch die Welt, färbte sich mit Henna die Haare und aß steinhartes Vollkornmüsli. Wer als selbsternannter Weltverbesserer etwas auf sich hielt, radelte mit dem Drahtesel zum Eine-Welt-Laden und organisierte Müllsammlungen auf städtischen Grünflächen oder gleich im benachbarten Forst.

Das ist passé. Wer heute ein grünes Gewissen spazieren führen möchte, muss über allerlei Wissen verfügen, Berichte, Bio-Siegel und Bilanzen studiert haben. Wie es um die CO2-Bilanz einer Bio-Banane steht, ist heutzutage noch eine der einfachsten Fragen.

Hier eine Kostprobe der heikelsten Öko-Fallen:

  • Ist Ökostrom sinnvoll oder gefährdet man mit der Energie aus Windkrafträdern das Leben heimischer Vogel- und Fledermausarten?
  • Liest man Zeitung besser auf dem iPad, um mit dem gesparten Papier Bäume zu retten oder sind Produktion, Betrieb und Beseitigung des Geräts nicht doch umweltschädlicher?
  • Ist Biodiesel besser für die CO2-Bilanz der Heimatstadt oder vernichtet man dadurch Lebensmittel?
  • Lohnt es sich überhaupt, nach energieeffizienten Haushaltsgeräten zu googeln, wenn eine einzige Suchanfrage so viel Strom verbraucht, wie eine Energiesparlampe benötigt, um eine Stunde lang zu leuchten?

Wer diesen Fragen auf den Grund gehen will, dem droht Böses: mit Sicherheit ein Gewissenskonflikt, im schlimmsten Fall denkt er oder sie sich einen Knoten ins Hirn. Aber Hilfe naht. Wer heute wirklich „öko“ sein will, der beginnt ganz von vorn à la do-it-yourself.

Das Wort der Stunde heißt „Urban Gardening“. Viele Großstädter ziehen ihr Gemüse nun selbst. Dafür krümmen sie sich mit Leidenschaft in Gemüsebeete und schleppen grinsend Pflanzkästen auf Balkone. Ganze Grünflächen werden essbar. Dort, wo sich normalerweise Rhododendren und Gänseblümchen tummeln, wachsen nun Zucchini und Mangold.

„Urban Gardening“ ist auch eine Form des Protests gegen Verschwendung und Ökowahn – sozusagen Subversion auf dem Kompost. Wem das aber alles zu aufwendig ist, kann einfach zum Drive-in um die Ecke schnellschlemmen fahren. Dort gibt es mittlerweile auch Müsli und vegetarische Burger in Recycling-Tüten. Alles „bio“ oder was?

Euer Leopold

Hört euch die Glosse hier als Audio an