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  © Fritz Philipp

Nachhaltig gleich grün?!

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Sowohl für jeden Einzelnen als auch für Unternehmen. Christian Schulz, Head of Utilities, Power & Renewables, und Ivo van Doren, Leiter Salessupport im Vertrieb Immobilienfinanzierung, sprechen im Interview darüber, was Nachhaltigkeit im Bankgeschäft heißt.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

Christian und Ivo: Nachhaltigkeit bedeutet, sich darüber bewusst zu sein, wie sich das eigene Tun auf das Umfeld und die Umwelt auswirkt. Das Thema Reputation spielt für große, internationale Unternehmen wie die ING eine wichtige Rolle.

Ist es als Bank wichtiger, was man finanziert oder was man nicht finanziert?

Christian: Die Laufzeit der Finanzierungen, die wir im Retail und im Wholesale Banking abschließen, ist in der Regel deutlich länger als das, was im jeweiligen Augenblick in den Medien ausdiskutiert wird. Deshalb müssen wir uns vor Abschluss einer jeden Finanzierung darüber im Klaren sein, ob wir diese Entscheidung auch noch in fünf oder zehn Jahren vertreten können. Im Hinblick hierauf: Es ist wichtiger, was wir finanzieren. Nachhaltig zu sein, ist kein Marketingprojekt mehr, sondern die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen müssen eingebunden werden. Auch wenn wir nicht alle Interessen zufriedenstellen können, ist es der Dialog, der zählt.

Lässt das Tagesgeschäft es zu, immer diesen Dialog zu führen?

Christian: Die ING hat sich im Wholesale Banking bereits 2003 die ESR-Policy gegeben. Darin ist festgelegt, wie Transaktionen vorab zu prüfen sind, beispielsweise in Bezug auf Umweltverträglichkeit oder hinsichtlich des Dialogs. Darüber hinaus haben wir uns zu den „Equator Principles“ der Vereinten Nationen verpflichtet und sind auch in dem Board vertreten, das diese Prinzipien regelmäßig überprüft. Diese besagen, nur in Ländern zu agieren, in denen diese Dialoge schon im Rahmen der Genehmigungsprozesse auf Projektebene stattfinden. Wenn das nicht passiert ist, ist die Bank dazu verpflichtet, von solchen Projekten Abstand zu nehmen.

Christian, du bist Sustainability Champion der ING. Was bedeutet das?

Christian: Die ING hat in Amsterdam vor einigen Jahren die Einheit „Sustainable Finance“ implementiert. Deren Aufgabe ist es, dem Thema Sustainability einerseits mehr Gewicht zu geben und andererseits die Quote von „grünen“ Transaktionen zu erhöhen. Dieses Team beschäftigt sich gezielt mit diesem Thema und kann auch
kleinere Projekte vorantreiben, was wir im Tagesgeschäft nicht abbilden können. Ich bin als „Sustainability Champion“ die Schnittstelle zwischen den verschiedenen lokalen Einheiten. Ich vermittle Ansprechpartner und gebe eine erste Einschätzung, für wen das Projekt interessant sein könnte.

Seit 2016 gibt es in der ING-DiBa das Sounding Board zum Thema CSR und Nachhaltigkeit. Womit beschäftigt ihr euch dort?

Ivo: Das ist ein bunter Strauß an Themen. Wir arbeiten in enger Abstimmung mit der Global Sustainability Einheit der ING. Deswegen dreht sich ein Thema auch um den Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der ING Group. Ein anderes dreht sich um Sustainable Housing, also wie wir unser Immobilienportfolio in der ING „vergrünern“ können. Dazu laufen verschiedene Initiativen über die Länder hinweg. Wir wickeln beispielsweise seit Jahren viele Finanzierungen über die KfW ab, die energieeffizientes Bauen fördert. Mittlerweile finanzieren wir mit der KfW etwa 800 Millionen Euro pro Jahr. Damit machen wir zwar etwas weniger Marge, aber wir finden es wichtig, das unseren Kunden anbieten zu können, auch um uns nachhaltig zu positionieren.

Christian: Das Sounding Board ist eine richtig gute Idee. Denn in diesem Bereich müssen wir wirklich den „One Bank“-Ansatz leben. Es geht am Ende schließlich um unsere Reputation. Aber Nachhaltigkeit ist nicht nur altruistisch. Wir müssen uns zudem damit beschäftigen, wie sich der Verkehrswert eines Hauses entwickeln wird, das nicht energieeffizient ist. Es ist für uns als Bank also auch ökonomisch sehr wichtig, die Nachhaltigkeit im Blick zu haben.

Ivo: Ich bin mir sicher, dass es inzwischen auch für die Kunden nicht mehr nur eine ökonomische Entscheidung ist. Sie sind dazu bereit, mehr zu investieren, um nachhaltiger zu sein. Oftmals kennen jedoch sowohl die Privat- als auch die Geschäftskunden nicht ihre Möglichkeiten. Unser Job ist es, Kunden unterschiedliche Szenarien aufzuzeigen und ihnen dabei zu helfen, eine alternative, sprich nachhaltige Entscheidung zu treffen.